Freitag, 16. April 2010

In Memoriam Bernhard Karpf

Nach einer längeren Sendepause melde ich mich heute mal wieder, weil morgen mein "großer Bruder" Bernd 60 Jahre alt geworden wäre.

Statt morgen auf ein rauschendes Fest zu seinem 60. Geburtstag zu fahren, will ich mit ein paar Zeilen und einigen Bildern an ihn erinnern.



Bernd war das erste Kind meiner Eltern. Als er geboren wurde, war meine Mutter gerade 20 Jahre alt geworden, mein Vater war noch nicht ganz 25. Es ist heute schwer vorstellbar, dass das in den 50er Jahren ein ganz normales Alter war, das erste Kind zu bekommen.

Eineinhalb Jahre später wurde meine Schwester geboren - die kleine Familie lebte bis kurz vor meiner Geburt in einer Mühle im Spessart.



1959 zogen wir alle nach Walldürn, wo ein paar Jahre später noch mein jüngster Bruder dazu kam. Bei seiner Geburt war meine Mutter 34 Jahre alt und fühlte sich im Vergleich zu den anderen Müttern auf der Geburtsstation uralt! ;-)

Vor zwei Jahren habe ich mich mit einem Jugendfreund von Bernd getroffen, um von ihm zu erfahren, was für ein Mensch mein Bruder war. Als kleine Schwester habe ich von seinem Leben außerhalb der Familie nicht viel mitbekommen. Mein Bruder muss wirklich ein außergewöhnlich positiver und lebensfroher Mensch gewesen sein, der immer einen lockeren Spruch drauf hatte. Die Tatsache, dass er seinen Freunden heute noch so sehr fehlt, dass man nur unter Tränen über ihn sprechen kann, sagte mir mehr als die Erzählungen.

Meinen Bruder Bernd habe ich zum letzten Mal lebend gesehen, als er am Morgen, bevor er nach seinem Weihnachtsurlaub zurück nach Fürstenfeldbruck fahren wollte, zu mir ins Zimmer kam und fragte, ob ich etwas für ihn zu lesen hätte, er bräuchte was für die Fahrt. Leider hatte ich nichts, was er noch nicht gelesen hatte, also hat er sich wahrscheinlich gelangweilt auf seinem Weg. Ich bin nicht mal sicher, ob ich ihm richtig auf Wiedersehen und gute Fahrt gewünscht habe, was mir immer noch leid tut.



Am 2. Februar kam mein Vater überraschenderweise mitten am Tag von der Arbeit nach Hause und teilte meiner Mutter und uns Geschwistern mit, dass unser Bernd in der Nacht tödlich verunglückt war.

Ich hatte meinen Vater noch nie vorher weinen sehen und konnte das nur schwer aushalten. Ich hatte das starke Bedürfnis, mit meiner Trauer allein zu sein, also machte ich mich auf den Weg in das Wäldchen, das ein paar Minuten von unserer Straße entfernt lag, und umarmte ein paar Bäume. Das half mir aber auch nicht recht weiter, nach einer Stunde fand mich mein verzweifelter Vater, und es tut mir leid, dass ich meinen Eltern noch mehr Kummer gemacht habe.

Das Leben nach dem Tod meines Bruders war nicht mehr dasselbe wie vorher und ich vermisse ihn heute noch - meinen großen Bruder:



Bernhard Karpf

17.04.1950 - 02.02.1973


Sonntag, 3. Januar 2010

Willkommen zum Ratespiel!

Das hier hat mein lieber Kater vor einer Viertelstunde von seinem Abendspaziergang mitgebracht und auf dem Fensterbrett abgelegt:



Es gibt ja jetzt verschiedene Erklärungsmöglichkeiten:

1. Er hat es auf einem Komposthaufen gefunden, aber wer wirft eine rohe Bratwurst auf den Kompost?

2. Jemand hat die arme dünne Katze damit gefüttert? Immerhin fehlt schon ein Stück!

3. Er ist (nicht zum ersten Mal) durch ein Fenster oder die Katzenklappe in ein Nachbarhaus eingedrungen und hat es dort gestohlen?

4. ?

Kaio ist übrigens im Moment damit beschäftigt nach seinem Mitbringsel zu suchen, das inzwischen in unserer Mülltonne Kater-sicher entsorgt worden ist!

Montag, 28. Dezember 2009

Heiße Reisetipps

Und hier ist wieder eure tapfere und unerschrockene Reisetesterin mit ihrem nächsten Reisebericht!

Irgendwann im Frühjahr (bei eher gemäßigten Außentemperaturen) beschlossen meine beiden besten Freundinnen und ich, dass wir uns im Sommer für ein paar Wandertage in der Pfalz treffen wollten. Da konnte ja noch keiner ahnen, dass genau diese drei Tage die heißesten Tage des Jahres 2009 werden sollten!

Eine von beiden ist gerade auf der Suche nach einem Alterswohnsitz in der schönen Südpfalz und so schauten wir uns gern einige Ortschaften und Häuser an, die in Frage kommen könnten. Deidesheim ist wirklich ein schnuckeliges Städtchen mit einer schönen Altstadt:



voller kleiner Läden und Bildhauerwerkstätten:



und einem Brunnen mit interessanten Brunnenskulpturen:



Am Nachmittag trafen wir im Bächlein-durchflossenen Annweiler ein



(Wenn man genau hinschaut, sieht man ganz oben auf dem Berg im Hintergrund einen Sendemast, zu dem sind am nächsten Tag hingewandert!)



wo wir für den Abend einen Tisch in einem kleinen Lokal reserviert hatten.



Am nächsten Morgen fiel uns das Aufstehen aus irgendwelchen Gründen nicht leicht, möglicherweise bestand ein Zusammenhang mit dem abendlichen Genuss etlicher Gläser Pfälzer Weines? Wer weiß das schon...

Aber wer mich kennt, weiß, dass ich meine beiden Wanderfreundinnen kurz nach acht Uhr trotz Gestöhne und Gemurre gnadenlos aus dem Bett gepeitscht und auf den Weg gebracht habe.



Am Vormittag bin ich ja immer recht fit, über den Nachmittag reden wir später vielleicht noch...



Wir hatten lange im Wanderführer nach einer Wanderung gesucht, die nur durch Wald ging, am morgen waren schon 26 Grad im Schatten - und steil war der Weg:



Aber wir sind zwar langsame aber doch ausdauernde Wanderer - um die Mittagszeit hatten wir den höchsten Punkt



mit einer fantastischen Aussicht auf den Trifels erreicht:



Der Rückweg war nicht mehr ganz so anstrengend, aber immer noch schweißtreibend, die Sonne stand ja jetzt im höchsten Punkt und warf interessante Schatten auf unserem Wanderweg:



Wir mussten jetzt auch öfters mal kurze Pausen einlegen,



aber am frühen Nachmittag waren wir wieder in Annweiler und beschlossen, noch am selben Tag Schloss Ludwigshöhe bei Edenkoben anzuschauen.



Dieses Schloss ist ein äußerst lohnendes Ausflugsziel, erstmal die einmalige Lage und dann noch die Slevogt-Galerie:

http://www.burgen-rlp.de/index.php?id=31&no_cache=1&tx_bsa_pi1[item]=21

Auch meine Freundin war glücklich, endlich ein angemessenes Haus für ihren Lebensabend gefunden zu haben:



Wobei wir nicht ganz sicher sind, ob sie und das Land Rheinland-Pfalz sich auf einen angemessenen Kaufpreis werden einigen können.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Auf vielfachen Wunsch...

von vier meiner fünf regelmäßigen Leser kommt heute endlich mal die Fortsetzung meiner Urlaubsgeschichten vom vergangenen Sommer.

Wie sich vielleicht noch einer erinnern kann, sind wir eigentlich aus dem Grund nach Leipzig gefahren, weil ich endlich mal den Zoo von "Elefant, Tiger und Co." sehen wollte.

Aus irgendeinem Grund hatten noch mehr Menschen beschlossen, genau an diesem Tag in den Zoo zu gehen... sehr viel mehr Menschen:



Schon die Straßenbahn zum Zoo war sowas von voll - und die Schlange vor den Kassen reichte praktisch bis zu der Haltestelle zurück! Das war nix für den Besten Ehemann von allen, er hasst Schlangestehen fast genauso wie Staus auf der Autobahn.

Aber nach "nur" zwanzig Minuten waren wir endlich drin und ich muss sagen, dass der Besuch trotz tausender anderer Gäste sehr schön war.

Ich konnte wirklich etliche Pfleger, die ich vorher nur aus dem Fernsehen kannte, bei der Arbeit beobachten:



Helmut sah später sogar die Tierärztin auf dem Fahrrad vorbeifahren, während ich grade mal für kleine Mädchen gewesen bin.

Unsere Mittagspause haben wir in der African Lodge genossen, sehr beeindruckend, der Blick den man von dort auf die Afrika-Anlage hat -



Auge in Auge mit dem Giraffenbullen Max:



Besonders schön fand ich die gigantische Menschaffenanlage Pongoland, die wird in der Zoo-Soap nie besonders erwähnt oder gezeigt, eigentlich schade.

http://www.zoo-leipzig.de/index.php?strg=9_13_55&baseID=55

Allein dafür hätte sich der Besuch im Zoo schon gelohnt!

Auf dem Weg zum Ausgang haben wir dann noch das prominente Maskottchen des Zoos gesehen, das Lama Horst:



Ich würde sehr gern nochmal an einem Tag außerhalb der Großen Ferien wiederkommen!

Am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen von Leipzig, auf dem Heimweg sind wir noch in Deutschlands ältester Schokoladenfabrik in Halle gewesen:



Besonders gut hat uns natürlich der Werkverkauf gefallen mit kostenlosen Warenproben...

Danach fuhren wir frisch gestärkt weiter nach Sangerhausen in das weltgrößte Rosarium:



Leider war es ein bisschen spät im Sommer für die Rosenblüte, aber es gab immer noch viel Schönes zu entdecken:



und zu beschnuppern:




So, das soll erstmal der Schluss der Leipziger Geschichten sein - von meinem Wellness - Aufenthalt in Nordthüringen und der Pfalzwanderung am heißesten Tag des Jahres 2009 berichte ich meinen wartenden Fans gern ein anderes Mal.


Frohe Weihnachten euch allen und Frieden auf Erden





Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wanderer kommst Du nach Wittenberg

Als wir uns dann nach unserem morgendlichen Stadtspaziergang durch Leipzig in unserem Hotelzimmer etwas erholt hatten, beschlossen wir, am Nachmittag einen Ausflug nach Wittenberg zu machen.

Das liegt nur eine gute Autostunde von Leipzig entfernt und jeder gute Protestant sollte ja einmal im Leben die Thesenanschlag-Tür gesehen haben. Ich bin ja für alles offen, außerdem hatte Helmut noch was bei mir gut, er war schließlich klaglos im Heiligen Jahr mit mir in Rom durch die Porta Sancta gegangen. Hat ihm auch nicht geschadet.

Ich habe den Ausflug nicht bereut, Wittenberg ist eher eine Kleinstadt (zumindest im Vergleich mit Leipzig) und hat eine sehr schöne Altstadt. Ok, wenn die Luther - und Melanchthon-Denkmäler nicht gerade renoviert würden,



wäre der Blick auf den Marktplatz noch schöner gewesen (und ein bisschen Sonne hätte auch nix schaden können, mecker mecker mecker):



Wir haben uns dann zuerst die Stadtkirche angeschaut, in der Luther gepredigt hat, und die einige sehenswerte Kunstschätze enthält.



Dann haben wir erstmal eine Pause gebraucht, bevor wir den Spaziergang durch die Stadt fortgesetzt haben. Am Melanchthonhaus vorbei gingen wir zum Lutherhaus:



das wir aber leider aus Zeitmangel nicht besichtigen konnten. Aber ich musste natürlich noch schnell Katharina die Hand drücken:



bevor wir uns durch die Fußgängerzone auf dem Weg zur Schlosskirche machten.



In der Straße gab es ein kleines DDR-Museum, wofür wir leider auch keine Zeit hatten, aber die Fenster war sehr schön dekoriert:



Die Schlosskirche hat einen sehr prägnanten Turm, natürlich mit Lutherzitat:



Ja - und dann war es endlich so weit - Helmut war am Ziel seiner Wallfahrt angelangt, die Thesentür lag vor uns, bzw. die Tür, die nach der Zerstörung der Original-Thesentür jetzt an der Stelle angebracht ist, wo mal die Thesenanschlagstür war, oder so:



Als wir die Schlosskirche betraten, wurde gerade die Orgel gespielt. Es fällt mir wirklich schwer, mit Worten zu beschreiben, was ich fühlte, der Klang war überall um uns herum in diesem wunderbaren alten Kirchenraum und der Klang war auch in mir - ich war sehr bewegt.

Allerdings nicht zu bewegt, um nicht ein illegales kostenloses Foto vom Innenraum der Kirche zu machen:



Vor dem Altar sieht man die Gräber Friedrichs des Weisen und seines Bruders Johann des Beständigen. Die Gräber von Luther und Melanchthon waren mehr so in den Seitenschiffen und von meinem Platz aus nicht zu fotografieren, aber ich kann versichern - sie sind da, und ich hab sie gesehen.

Nach diesem erlebnisreichen Nachmittag mussen wir Wittenberg leider schon wieder verlassen, und ich hätte mir gewünscht, mehr Zeit für ausführlichere Besichtigungen gehabt zu haben.

Als wir zurück in Leipzig waren, ging das kostenlose Freiluftkonzert hinter der Thomaskirche gerade zu Ende:



Das normale Programm (mit Musikstücken von Johann Sebastian Bach) war gerade zu Ende und das Streichquartett bestehend aus vier jungen Polen gab noch eine Zugabe, die von einem jungen Komponisten ihres Alters (Jahrgang 1974) extra für sie komponiert worden war.

Die Leute flohen in Scharen!